Schleiereule und Turmfalke stehen beide auf der Roten Liste der gefährdeten Vogelarten der Schweiz und gelten als potenziell gefährdet. Seit 2010 führt das BAFU (Bundesamt für Umwelt) sie zudem auf der Liste der Arten mit nationaler Priorität für Erhaltung und Förderung.
Das Artenförderungsprojekt des NVS-AL verfolgt zwei Ziele: den Bestand von Schleiereulen und Turmfalken möglichst genau zu dokumentieren und die beiden Arten gezielt zu fördern. Gemeinsam mit den Landwirten im Gebiet des NVS-AL sollen neue Nistplätze geschaffen und geeignete Lebensräume durch ökologische Ausgleichsflächen aufgewertet werden.
Seit mehr als zehn Jahren betreut Beat Leuch, der ehemalige Präsident des NVS-AL, gemeinsam mit der kantonalen Beauftragten für Schleiereulen und Falken das Artenförderungsprojekt des NVS-AL. Zusammen mit den Landwirten wurden fast jedes Jahr ein oder mehrere Nistkästen in oder an den Scheunen und Ställen der umliegenden Gemeinden installiert. Bis 2026 ist ein Netzwerk von insgesamt 41 Standorten entstanden, die betreut werden müssen: 24 für Schleiereulen, 5 für Falken und 14 Standorte, an denen sowohl Schleiereulen als auch Falken in unterschiedlichen Nistkästen dokumentiert wurden. Die Betreuung dieser Standorte ist mit grossem Aufwand verbunden.
Da Beat Leuch nicht mehr im Gebiet des NVS-AL wohnt, ist die Betreuung der Standorte schwieriger geworden. Deshalb wird Markus Kühne, seit 2026 dem Vorstand des NVS-AL angehörend, Beat Leuch ab 2027 bei diesem Projekt unterstützen und nach einer Übergangsphase die Verantwortung übernehmen.
Nur ein kleiner Teil der Standorte ist tatsächlich besetzt. Beim Monitoring 2026 wurden 16 Nestlinge erfasst, darunter sieben junge Schleiereulen und vier Falken, die beringt werden konnten.
Die Hauptakteure in unserem Förderungsprojek
Turmfalke und Schleiereule leben in der Schweiz vor allem im Kulturland und jagen dort hauptsächlich Kleinsäuger wie Wühlmäuse. Mäuse machen rund 80 % der Nahrung des Turmfalken und sogar 90 % der Nahrung der Schleiereule aus. Ein Schleiereulenpaar mit sechs Jungen fängt allein während der dreimonatigen Aufzuchtzeit bis zu 3500 dieser kleinen Nager. Während des restlichen Jahres frisst das Paar nochmals so viele. Beide Arten tragen dazu bei, die Mäusebestände im Kulturland zu verringern. Die Schleiereule brütet bei uns ausschliesslich in Gebäuden. Der Turmfalke brütet, wie sein Name vermuten lässt, ebenfalls in Gebäuden, aber auch in Felsnischen und in Bäumen. Während Schleiereulen als nachtaktive Vögel fast nur Kleinsäuger jagen, erbeuten tagaktive Turmfalken auch Singvögel und Rauchschwalben – vor allem, wenn sich vor den Einflugstellen der Rauchschwalben in die Kuhställe Bäume und Sitzplätze befinden.
Beide Vogelarten sind als Prioritätsarten in der Artenförderung aufgeführt und in der Roten Liste als NT (nahezu bedroht) eingestuft. Der Vergleich des Brutbestandsindex in der ganzen Schweiz zeigt, dass sich der Bestand des Turmfalken sehr erfreulich entwickelt und in den letzten Jahren durchgehend im positiven Bereich geblieben ist. Demgegenüber ist der Brutbestand der Schleiereule in den letzten Jahren rückläufig, was eine erhöhte Aufmerksamkeit unsererseits erfordert. Nicht nur der Brutbestandsindex, sondern auch die Bestände selbst unterscheiden sich. Bei den Schleiereulen wird von 300 bis 1’300 Paaren ausgegangen, bei den Turmfalken dagegen von 7’000 bis 11’000 Paaren – also fast zehnmal so viele.
Geeignete Nistkästen für Turmfalken und Schleiereulen
Mit Nistkästen an geeigneten Gebäuden verfolgt der NVS-Al zwei Ziele: Zum einen fördern wir Turmfalken und Schleiereulen, deren Bruterfolg in solchen Kästen höher ist. Zum anderen unterstützen wir Landwirte, indem die Nistkästen in Ställen und Ökonomiegebäuden dazu beitragen, die Populationen von Wühlmäusen und anderen Kleinsäugern auf den angrenzenden Agrarflächen einzudämmen. Für Turmfalken eignen sich Innenkästen oder offene Kästen an der Aussenseite, für Schleiereulen nur Innenkästen. Als Bewohner offener Landschaften bevorzugen die Vögel Brutplätze an hohen Gebäuden, insbesondere wenn diese zum offenen Kulturland hin ausgerichtet sind. Ideal ist eine Nord- oder Ostseite des Stalles mit wenigen Störquellen und freiem Anflug. Bei innenliegenden Nistkästen ist ein Anflugloch in der Fassade erforderlich, das 20 × 20 cm groß sein sollte. Um Schleiereulen zu bevorzugen, sollte die Öffnungsbreite des Zugangs zum Nistkasten auf 12 cm begrenzt werden. Das Anflugloch sollte in einer Höhe von mindestens 4 m und möglichst weit vom Balken entfernt liegen, damit Marder den Eingang schlechter erreichen können. Silos, Obstbäume, Masten und Ähnliches in der Nähe dienen den Vögeln gerne als Warten. Am Gebäude sollten möglichst viele weitere Öffnungen oder Unterschlupfmöglichkeiten vorhanden sein, etwa Balken oder geschützte Winkel unter dem Dach. Die Vögel nutzen diese als Ruheplätze.
Zusätzliche notwendige Massnahmen zur Unterstützung
In den kälteren Jahreszeiten finden die Mäusejäger in ausgeräumten Landschaften nicht genügend Nahrung. Extensive Strukturen wie Brachen, Säume, Blumenwiesen und andere ökologische Flächen tragen zu einem ausreichenden Nahrungsangebot bei. So können sie selbst in Jahren, in denen es wenig Mäuse und Grossinsekten gibt, im Gebiet bleiben und brüten.
So können Sie helfen: Baumhecken und Einzelbäume als Sitzwarten erhalten und pflanzen oder Sitzstangen aufstellen.
In hoch und dicht stehenden Wiesen fällt es den beiden Vogelarten schwer, ihre Beute zu finden und zu fangen. Eine gestaffelte Mahd erleichtert den Zugang zur Nahrung.
So können Sie helfen: Wiesen abschnittsweise mähen, damit die Vögel in ihrem Revier stets geeignete Flächen zur Nahrungssuche finden.
Bei länger anhaltenden Schneelagen kann es insbesondere für Schleiereulen zu Nahrungsmangel kommen.
So können Sie helfen: Scheunen offen lassen, damit Schleiereulen im Gebäudeinnern nach Mäusen jagen können.
Rohre, Kamine und Heugebläse sind Fallen. Turmfalken und Schleiereulen können in nach oben offene Rohre, Kamine und Heugebläse hineinfallen und gelangen nicht mehr heraus.
So können Sie helfen: Solche «Fallen» abdecken, wenn sie nicht gebraucht werden.
Turmfalken und Schleiereulen trinken und baden gerne an Wasserstellen wie offenen Kuhtränken (z.B. Badewannen) und Brunnen. Haben diese Wasserstellen glatte, steile Wände, kommen sie aber nicht mehr heraus und ertrinken.
So können Sie helfen: Ein schwimmendes Brett (mind. 50 cm lang, 20 cm breit und 2 cm dick) oder eine ins Becken gestellte Holzlatte erlauben es den Vögeln, dem tödlichen Nass zu entkommen. Wichtig ist, dass solche Kletterhilfen mindestens bis zum oberen Beckenrand reichen.
Aus dem Nest gefallene Jungvögel.
So können Sie helfen: Aus dem Nistkasten gefallene Jungvögel können wieder hineingelegt werden. Sie werden dann von den Eltern weitergefüttert.
Für Beobachtungen, Meldungen und Fragen können Sie sich direkt an Markus Kühne wenden.